St. Gallen wird zur Bühne für den Finanzplatz Schweiz
«Wettbewerbsfähigkeit – Finanzplatz Schweiz im Fokus» - dies war das Thema am Bankiertag vom 17. September 2026. Rund 400 Mitglieder und Gäste trafen sich in der Tonhalle St. Gallen zur Generalversammlung der Schweizerischen Bankiervereinigung mit anschliessenden Impulsreferaten und einer Paneldiskussion.
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Der Austausch zwischen Entscheidungsträgern aus dem In- und Ausland, die hochkarätige Besetzung des Programms und die historische Kulisse der Tonhalle machten deutlich, dass der Schweizer Finanzplatz vor wichtigen Weichenstellungen steht. Entsprechend standen Fragen zur Standortattraktivität und zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit im Zentrum der Gespräche.
Ein offener Blick nach vorn
Die Generalversammlung markierte zugleich einen wichtigen personellen Wechsel: Nach fünf Jahren als Verwaltungsratspräsident übergab Marcel Rohner den Stab an Giorgio Pradelli, CEO von EFG International. In seiner persönlichen Bilanz blickte Marcel Rohner auf seine Zeit an der Spitze der Schweizerischen Bankiervereinigung, die von grossen Veränderungen im Finanzsektor, regulatorischen Herausforderungen und einer konsequenten Weiterentwicklung des Verbands geprägt war.
Giorgio Pradelli machte in seiner Ansprache deutlich, dass er für Kontinuität stehen will, aber immer mit dem Blick nach vorne. Er betonte, dass in Zeiten geopolitischer Turbulenzen die Schweiz von ihrem Ruf als stabiler und attraktiver Finanzplatz profitieren kann und strich die Vielfalt der Branche hervor: Starke internationale Institute und starke national und regional verankerte Banken würden sich ergänzen und so gemeinsam zum Erfolg beitragen.
Internationale Sicht auf den Finanzplatz Schweiz
Mit Spannung erwartet worden war das Interview mit Colm Kelleher, Verwaltungsratspräsident der UBS. Aus seiner langjährigen internationalen Erfahrung heraus ordnete er die Rolle der Schweiz im globalen Finanzsystem ein und sprach über die Positionierung der wichtigsten internationalen Finanzplätze. Dabei hielt er fest, dass Hongkong der Schweiz derzeit zwar leicht voraus sei, die Schweiz jedoch über die nötigen Voraussetzungen verfüge, um den Spitzenplatz wieder einzunehmen. Gleichzeitig beleuchtete er neben den Stärken des Standorts auch die Herausforderungen, denen sich Banken im Spannungsfeld von Regulierung und wirtschaftlichem Wachstum stellen müssen.
Mit Bettina Orlopp, CEO der Commerzbank, sprach anschliessend eine einflussreiche Persönlichkeit der europäischen Bankenlandschaft. In ihrem Impulsreferat rückte sie die Stärken des Schweizer Finanzplatzes in den Mittelpunkt: Stabilität, Vertrauen und Verlässlichkeit. Zugleich erläuterte sie, dass Künstliche Intelligenz und Digitalisierung wichtige Entwicklungslinien für den Bankensektor bilden, ebenso wie eine ausgeprägte Spar- und Investmentkultur. Ihre Ausführungen spannten damit den Bogen von bewährten Standortqualitäten zu zentralen Zukunftsfragen für Banken und Kapitalmärkte.
Auch Sandra Navidi, Gründerin und CEO der New Yorker Beratungsfirma BeyondGlobal, warf einen pointierten Blick von aussen auf den Schweizer Finanzplatz. Den Auftakt ihres Impulsreferats bildete eine starke Gegenüberstellung ihrer Wahlheimat USA und der Schweiz. Mit ihrer Erfahrung an der Schnittstelle zwischen Finanzmärkten und Rechtssystem ordnete sie ein, wie der Finanzplatz Schweiz aus internationaler Sicht wahrgenommen wird. Dabei unterstrich sie jene Qualitäten, die bereits Bettina Orlopp hervorgehoben hatte. Ihr Beitrag eröffnete bewusst eine Perspektive jenseits der nationalen Diskussion und zeigte, weshalb diese Standortvorteile im globalen Wettbewerb etablierter Finanzzentren auch künftig entscheidend bleiben.
Paneldiskussion: Zwischen Innovation, Wachstum und Regulierung
An der anschliessenden Paneldiskussion nahmen Marc Bürki, CEO und Mitgründer von Swissquote, Bettina Orlopp und Sandra Navidi teil. Den Auftakt bildete die Erfolgsgeschichte von Swissquote, die beispielhaft zeigte, wie aus technologischem Pioniergeist ein etablierter Akteur des Schweizer Finanzplatzes entstehen konnte.
Beim Thema künstliche Intelligenz zog Marc Bürki eine Parallele zur Anfangszeit des Internets. Auch damals hätten sich neue Möglichkeiten eröffnet, begleitet von Chancen und Unsicherheiten. Der entscheidende Unterschied liege heute jedoch in der Eigentums- und Kontrollfrage. Während sich das Internet über offene Standards und eine breite Infrastruktur entwickelte, befinden sich KI-Infrastrukturen und Modelle heute im Besitz weniger grosser privater Unternehmen.
Darüber hinaus wurde diskutiert, wie eine gesunde Balance zwischen Deregulierung und Regulierung aussehen kann – mit Rahmenbedingungen, die Innovation ermöglichen und zugleich Stabilität und Vertrauen sichern.
So wurde deutlich: Die Zukunftsfähigkeit des Finanzplatzes hängt davon ab, wie gut es gelingt, technologische Entwicklungen aufzunehmen, neue Wachstumsfelder zu erschliessen und zugleich jene Qualitäten zu bewahren, die den Standort auszeichnen.
Der Bankiertag 2026 hinterliess bei den Teilnehmenden einen Eindruck von Aufbruch und Zuversicht. Neben den inhaltlichen Diskussionen prägten insbesondere die persönliche Begegnung und der direkte Austausch die Atmosphäre des Tages.