Marcel Rohner: «Wettbewerbsfähigkeit muss ein eigenständiges Ziel der Bankenregulierung sein»
Der diesjährige Bankiertag der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) stand im Zeichen der Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes. In seiner letzten Ansprache als Präsident der SBVg forderte Marcel Rohner Politik, Gesetzgeber und Regulator auf, die Wettbewerbsfähigkeit bei der Ausgestaltung der Rahmenbedingungen neben Finanzstabilität und Kundenschutz als eigenständiges Ziel zu verankern. Gleichzeitig unterstrich er die Bedeutung einer starken Berufsbildung sowie gelebter Verantwortung als Grundlagen eines langfristig erfolgreichen Finanzplatzes. Am heutigen Bankiertag übergibt Marcel Rohner das Präsidium der SBVg an Giorgio Pradelli, CEO von EFG International.
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In seiner fünften und letzten Ansprache am Bankiertag rückte Marcel Rohner die Voraussetzungen für einen auch künftig prosperierenden und weltweit führenden Finanzplatz ins Zentrum. Intensiver Wettbewerb, gut ausgebildete Fachkräfte und eine gelebte Berufsethik seien dafür entscheidend.
Wettbewerbsfähigkeit braucht Wettbewerb
Marcel Rohner hob hervor, dass eine hohe Wettbewerbsintensität die Grundlage für Innovation, qualitativ hochwertige Dienstleistungen und langfristigen Erfolg sei. Gerade für einen stark regulierten Sektor wie den Finanzplatz sei es deshalb entscheidend, dass Gesetze und Regulierungen international anschlussfähig seien und Markteintrittshürden tief gehalten würden. Der Schutz von Kundinnen und Kunden sowie die Stabilität des Finanzsystems seien zentral. Die Wettbewerbsfähigkeit müsse jedoch ebenso als eigenständiges Ziel berücksichtigt werden. Erfolgreiche Regulierung zeichne sich durch ein sorgfältiges Austarieren dieser Interessen aus.
«Es ist darum eine problematische Unterlassung, wenn Gesetzgeber und Regulator die Wettbewerbsfähigkeit nicht auf dieselbe Stufe ihrer Ziele für Bankengesetze und Bankenregulierungen stellen wie den Schutz der Einlegerinnen und Einleger, der Kundinnen und Kunden sowie die Stabilität des Finanzsystems», sagte Rohner.
Verpasste Chancen vermeiden
Mit Blick auf die Standortpolitik der vergangenen Jahrzehnte warnte Rohner vor den Folgen regulatorischer und steuerlicher Fehlanreize. Anhand von Beispielen aus dem Goldhandel, dem Eurobondmarkt und dem Fondsgeschäft zeigte er auf, wie Geschäftsfelder, Wertschöpfung und Know-how ins Ausland abgewandert seien. Politik, Gesetzgeber und Regulator seien gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Schweiz solche Chancen künftig nutzen könne.
Berufslehre und Spitzenforschung als Erfolgsfaktoren
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Rede galt der Aus- und Weiterbildung. Marcel Rohner bezeichnete das duale Bildungssystem als eine der grossen Stärken der Schweiz. Die Berufslehre mit ihren durchlässigen Bildungswegen sei eine hervorragende Grundlage für die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte. Er dankte den rund 130 Banken, die heute insgesamt etwa 3000 Lernende ausbilden.
Gleichzeitig würdigte Rohner die universitären Spitzenleistungen und ihren Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes. Das vor zwanzig Jahren gegründete Swiss Finance Institute habe wesentlich dazu beigetragen, die Finanzforschung und -ausbildung in der Schweiz international zu positionieren. Rohner rief die Banken dazu auf, auch künftig in die Ausbildung des Nachwuchses und in exzellente Forschung zu investieren.
Verantwortung als Grundlage des Vertrauens
Mit Blick auf die Erfahrungen aus der Credit-Suisse-Krise ging Marcel Rohner erneut auf die besondere Verantwortung der Banken ein. Als Teil eines staatlich verankerten Finanzsystems hätten Banken eine erhöhte Verantwortung gegenüber Kundinnen und Kunden, der Gesellschaft sowie ihren Eigentümerinnen und Eigentümern. Diese zeige sich in der sorgfältigen Kundenidentifikation, einer verantwortungsvollen Beratung, einer umsichtigen Kreditvergabe sowie einem professionellen Umgang mit finanziellen und operationellen Risiken.
«Intensiver Wettbewerb, eine hohe Verfügbarkeit gut ausgebildeter Fachkräfte und eine als selbstverständlich empfundene und gelebte Berufsethik sind die Pfeiler, auf denen unsere künftige Entwicklung ruht», sagte Rohner.
Dank zum Abschluss der Amtszeit
Marcel Rohner dankte den Mitgliedern des Verwaltungsrats sowie der Geschäftsstelle für die Unterstützung und die hervorragende Zusammenarbeit in den vergangenen fünf Jahren: «Es war mir eine Ehre und ein Privileg, dieses Amt auszufüllen.»
Generalversammlung der SBVg
An der heutigen Generalversammlung der SBVg wurden Markus Ronner, Vice-Chairman of the Board der UBS Group AG, Stefan Bollinger, Chief Executive Officer und Mitglied der Geschäftsleitungen der Julius Bär Gruppe AG und der Bank Julius Bär & Co. AG, Dr. Basil Heeb, Verwaltungsratspräsident der Raiffeisen Schweiz Genossenschaft und Vizepräsident der SBVg, sowie Georg Schubiger, Co-CEO der Bank Vontobel AG, neu in den Verwaltungsrat gewählt.
Giorgio Pradelli übernimmt das Präsidium
Im Rahmen des Bankiertags tritt Giorgio Pradelli, CEO von EFG International, die Nachfolge von Marcel Rohner als Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung an: «Ich freue mich sehr, dieses Amt zu übernehmen und bin mir dessen Bedeutung für den Schweizer Finanzplatz bewusst. Marcel Rohner hat die Bankiervereinigung mit grosser Erfahrung und Umsicht durch eine anspruchsvolle Zeit geführt und den Verband für die Zukunft sehr gut aufgestellt. Kontinuität ist mir wichtig, aber immer mit dem Blick nach vorne. Gemeinsam mit Politik, Behörden und der Branche will ich dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes weiter zu stärken und so unsere offene, innovative und exportorientierte Schweizer Wirtschaft zu unterstützen», sagte Giorgio Pradelli.