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25.03.2026

«Regulatorische Verschärfungen betreffen uns alle»  

Die Debatte zum bundesrätlichen Massnahmenpaket «Bankenstabilität» ist noch lange nicht abgeschlossen. Gesamtprojektleiter Markus Staub erklärt die aktuelle Lage und worauf es jetzt ankommt. 

Markus, wo stehen wir heute in der Diskussion um die Bankenstabilität, knapp drei Jahre nach den Ereignissen von 2023? 

Wir sind mittendrin. Der Bundesrat hat als Reaktion auf die Krise der Credit Suisse ein umfangreiches Paket mit rund 30 Massnahmen vorgelegt. Ein Teil, vor allem auf Verordnungsebene, hat bereits letztes Jahr die Vernehmlassung durchlaufen. Ein anderer Teil, im Wesentlichen auf Gesetzesstufe sowie im Bereich Liquidität, wird dieses Jahr in die Vernehmlassung gehen. Entsprechend steht die parlamentarische Beratung noch bevor.

Wie funktioniert der Austausch zwischen Swiss Banking, Behörden und Politik? 

Wir stehen insbesondere mit dem SIF, der FINMA und der SNB – und natürlich auch mit der Politik – in Kontakt. Dieser Austausch ist intensiv und konstruktiv. Als Interessenvertretung der Banken setzen wir uns konsequent für Lösungen ein, die sowohl die Systemstabilität des Finanzplatzes weiter stärken als auch die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Diese Balance ist aus unserer Sicht noch nicht gegeben. Wie stark sich unsere Positionen letztlich durchsetzen, wird sich zeigen.

Welche Entwicklungen der letzten Jahre waren aus Deiner Sicht besonders prägend? 

Komplexe und langfristige Regulierungsprojekte kennen naturgemäss mehrere Schlüsselmomente. Prägend waren sicherlich der Bericht der Parlamentarischen Untersuchungskommission 2024 sowie die Eckwerte des Bundesrates 2025. Besonders kritisch sehen wir, dass der Bund die Vernehmlassungen stark etappiert. Zudem fehlt bis heute eine umfassende ökonomische Beurteilung, die die gesamtwirtschaftlichen Effekte des Massnahmenpakets transparent macht.

Wie muss man sich die Arbeiten bei Swiss Banking zu diesen Themen vorstellen?  

Das Dossier «Bankenstabilität» ist seit 2023 ein strategischer Schwerpunkt unseres Engagements. Entsprechend setzen wir in der Geschäftsstelle erhebliche Ressourcen dafür ein und arbeiten bereichsübergreifend eng zusammen. Dabei stehen wir auch in einem konstruktiven Dialog mit unseren Partnerverbänden. Zudem schätzen wir den wertvollen Austausch mit unseren Fachkommissionen und Steuerungsausschüssen sehr.

Wo siehst Du echten Stabilitätsgewinn und wo nicht? 

Das Paket des Bundesrats umfasst ein breites Spektrum an Verschärfungen. Das geht von Anforderungen an das Eigenkapital und die Liquidität einer Bank, über Regeln für die Corporate Governance und verschiedene Aufsichtsinstrumente bis hin zur Recovery- und Resolution-Planung. Echte Chancen sehen wir vor allem beim Verantwortlichkeitsregime, bei der Liquiditätsversorgung und bei der Abwicklungsfähigkeit. In Bezug auf andere Massnahmen sind wir jedoch skeptisch oder lehnen sie ab, wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis aus unserer Sicht nicht überzeugt.

Ein zentrales Stichwort ist Proportionalität. Weshalb braucht es unterschiedliche Leitplanken? 

Proportionalität ist für den heterogenen Finanzplatz Schweiz entscheidend. Es wäre falsch, sämtliche Banken – von den systemrelevanten Instituten bis zur kleinen Regionalbank – über den gleichen Kamm zu scheren. Stattdessen braucht es dringend eine differenzierte Ausgestaltung der regulatorischen Anforderungen, welche die unterschiedliche Risikosituation verschiedener Banken berücksichtigt. Dies ist beispielsweise beim Verantwortlichkeitsregime oder bei der Informationsbereitstellung zur Liquiditätslage von grosser Bedeutung.

Wie positioniert sich die Schweiz regulatorisch im internationalen Vergleich? 
Unsere Banken sind, global gesehen, bereits heute streng und solide reguliert. Punktuelle Anpassungen mögen sinnvoll sein, eine flächendeckende Verschärfung wäre jedoch gefährlich. Gerade in einem geopolitisch und weltwirtschaftlich angespannten Umfeld ist internationale Kompatibilität zentral. Umso mehr, als in der EU und in den USA klare Tendenzen zur Deregulierung erkennbar sind.

Wie beurteilst Du die Weiterentwicklung des Liquiditätsregimes? 

Die Optimierung der Liquiditätsversorgung in der Krise unterstützen wir ausdrücklich. Das ist eine zentrale Lehre aus der Krise der Credit Suisse. Angesichts der Geschwindigkeit möglicher Bank Runs in einer digitalen Welt ist ein rascher Zugang zu Zentralbankliquidität entscheidend. Bei der Ausgestaltung sowie bei der Entstigmatisierung, also der Begrenzung von Reputationsrisiken, der neuen «erweiterten Liquiditätsfazilität» gibt es jedoch noch offene Fragen. Wichtig ist, dass die SNB anrechenbare Sicherheiten breit definiert und für kleine Banken kein Obligatorium besteht. Zudem befürworten wir explizit auch die Überführung des «Public Liquidity Backstop» in ordentliches Recht.

Welche regulatorischen Meilensteine werden 2026 für die Branche besonders relevant sein? 

Kurzfristig erwarten wir den Beschluss des Bundesrats zur Eigenmittelverordnung sowie seine Botschaft zur Eigenkapitalbehandlung ausländischer Beteiligungen. Zudem dürften im zweiten oder dritten Quartal die Vernehmlassungen zu gesetzlichen Anpassungen im Bereich Corporate Governance und zur Liquiditätsverordnung starten. Wir setzen uns dafür ein, dass die Lösungen wirksam, umsetzbar, verhältnismässig und international abgestimmt sind. Insgesamt bleibt dieses Projekt aber ein «Moving Target», das stark von politischen Entwicklungen geprägt ist.

Wie gelingt es, diese komplexen Themen der Gesellschaft, die ja indirekt auch betroffen ist, zu vermitteln? 

Wir setzen bewusst auf Transparenz und Einordnung, etwa über Webinare, öffentliche Auftritte und Medienbeiträge. Regulatorische Verschärfungen betreffen nicht nur Banken, sondern uns alle. Höhere Regulierungskosten können sich beispielsweise auf Kreditkonditionen auswirken und damit handfeste Folgen für die Realwirtschaft haben. Mit unserer schweizweiten Kampagne «The River» leisten wir einen Beitrag zu einer sachlichen Debatte über Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit und stärken das Bewusstsein für die Rolle der Banken im Erfolgsmodell Schweiz. 

Dr. Markus Staub

ist Leiter Prudenzielle Regulierung und Stellvertretender Leiter Finanzmarkt und Regulierung bei der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg).   

Er befasst sich mit den regulatorischen Rahmenbedingungen für die Banken in der Schweiz und mit der entsprechenden Positionierung des Bankensektors. Zu seinen aktuellen Schwerpunkten gehört die Gesamtprojektleitung «Bankenstabilität», im Zusammenhang mit den regulatorischen Reaktionen auf die Krise der Credit Suisse.  

Markus Staub hat an der Universität Basel Wirtschaftswissenschaften studiert und mit einer Dissertation zum Thema Systemrisiko promoviert. Er ist Lehrbeauftragter für Banken- und Finanzmarktregulierung und Mitglied der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel. 

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