Pay Attent!on: Gemeinsam gegen Zahlungsbetrug
Die Methoden von Betrügerinnen und Betrügern werden immer raffinierter. Deshalb haben die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg), SwissDebitPay, die Swiss Payment Association und die Polizei den Verein Pay Attent!on gegründet. Gemeinsam wollen sie die Bevölkerung noch wirksamer zu Betrugsrisiken im Zahlungsverkehr sensibilisieren und bestehende Präventionsaktivitäten bündeln. Im Interview erläutern die beiden Vorstandsmitglieder Pascal Simmen (Vertreter Schweizerische Kriminalprävention) und Nicky Kern (Vertreter Schweizerische Bankiervereinigung, SBVg), wie Pay Attent!on entstanden ist, welche Ziele die Organisation verfolgt und weshalb die Zusammenarbeit zwischen Privatwirtschaft und Polizei entscheidend für die Bekämpfung von Betrug ist.
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Was steckt hinter Pay Attent!on und was unterscheidet die Initiative von bisherigen Präventionsaktivitäten?
Pascal Simmen (PS): Pay Attent!on vereint die wichtigsten Akteure des bargeldlosen Zahlungsverkehrs mit der Polizei, um die Bevölkerung noch wirksamer vor Zahlungsbetrug zu schützen. Erstmals werden Präventionsmassnahmen gemeinsam entwickelt und koordiniert umgesetzt. Im Unterschied zu früheren Initiativen steht nicht mehr nur ein einzelnes Zahlungsmittel im Fokus, sondern der gesamte bargeldlose Zahlungsverkehr – von Debit- und Kreditkarten über E-Banking bis hin zu Twint. Durch die Bündelung von Wissen, Ressourcen und Kommunikationskanälen erreichen wir mehr Menschen und erhöhen die Wirkung unserer Präventionsarbeit.
Nicky Kern (NK): Prävention ist dann besonders wirksam, wenn Menschen dieselben verständlichen Botschaften erhalten, unabhängig davon, welches Zahlungsmittel sie nutzen. Statt vieler verschiedener Informationsquellen gibt es mit Pay Attent!on eine zentrale Anlaufstelle für Informationen und Prävention rund um Zahlungsbetrug. Das schafft Orientierung, stärkt die Wiedererkennbarkeit und erhöht die Wirkung.
Weshalb war jetzt der richtige Zeitpunkt, die Kräfte in einem gemeinsamen Verein zu bündeln?
NK: Die Bedrohungslage ändert sich laufend, während Präventionsaktivitäten bislang isoliert erfolgten. Die Vorstudie «Collaborative Fraud Prevention» (Link) der SBVg hat gezeigt, dass ein breites Bedürfnis nach mehr Zusammenarbeit besteht, nicht nur in der Kommunikation. Gleichzeitig war klar, dass eine solche Initiative langfristig angelegt sein muss. Pay Attent!on soll keine kurzfristige Initiative sein, sondern eine starke und vertrauenswürdige Marke für Betrugsprävention in der Schweiz werden.
Warum ist die Prävention von Zahlungsbetrug für Banken und andere Akteure des Zahlungsverkehrs so wichtig?
NK: Vertrauen ist die Grundlage des Zahlungsverkehrs. Menschen müssen darauf vertrauen können, dass sie digitale Zahlungsmittel sicher nutzen können. Zahlungsbetrug untergräbt dieses Vertrauen und verursacht nicht nur finanzielle Schäden, sondern auch Verunsicherung. Deshalb haben Banken und andere Akteure des Zahlungsverkehrs ein gemeinsames Interesse daran, Betrugsrisiken zu reduzieren und die Bevölkerung für aktuelle Gefahren zu sensibilisieren.
Welchen Mehrwert bietet die Zusammenarbeit mit der Finanzbranche aus Sicht der Polizei?
PS: Der gemeinsame Auftritt von Polizei und Finanzbranche erhöht Reichweite, Glaubwürdigkeit und Wirkung unserer Präventionsbotschaften. Wenn beide dieselben Verhaltensempfehlungen vermitteln, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese im Alltag beachtet werden.
Welche Betrugsmaschen oder Entwicklungen bereiten Ihnen derzeit besonders Sorgen?
PS: Phishing bleibt die grösste Herausforderung. Gleichzeitig beobachten wir vermehrt Fälle im Zusammenhang mit Anlage- und Investitionsbetrug sowie gefälschten oder manipulierten QR-Codes. Zunehmend relevant wird auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). KI ermöglicht es Betrügerinnen und Betrügern, täuschend echte E-Mails, Nachrichten, Stimmen oder sogar Videos zu erstellen. Dadurch werden Betrugsversuche immer glaubwürdiger und schwieriger zu erkennen.
Weshalb gelingt es Betrügerinnen und Betrügern immer wieder, ihre Opfer zu täuschen?
NK: Digitale Zahlungsmittel sind sehr sicher. Bei Zahlungsbetrug steht jedoch zunehmend der Mensch im Fokus. Die Opfer werden gezielt angesprochen, unter Druck gesetzt oder manipuliert, damit sie selbst Zahlungen auslösen.
PS: Das sehe ich auch so. Statt aufwändige technische Angriffe durchzuführen, setzen Kriminelle gezielt auf menschliche Emotionen wie Angst, Zeitdruck, Neugier oder Hilfsbereitschaft. Wer unter Druck steht, hinterfragt Zahlungsaufforderungen oder Anfragen oft weniger kritisch. Kurz gesagt: Erfolgreicher Betrug ist meist kein technisches, sondern ein psychologisches Problem. Die Täter manipulieren Menschen, nicht die Technik.
Welche konkreten Vorteile ergeben sich aus Pay Attent!on für die Bevölkerung?
NK: Für die Bevölkerung wird es vor allem einfacher: Es gibt eine zentrale und vertrauenswürdige Anlaufstelle für Informationen rund um Zahlungssicherheit, unabhängig vom gewählten Zahlungsmittel.
PS: Bei Pay Attent!on arbeiten Spezialistinnen und Spezialisten aus der Finanzbranche, der Polizei und der Wissenschaft eng zusammen. So können aktuelle Betrugsphänomene gemeinsam analysiert und daraus zielgruppengerechte, verständliche und alltagstaugliche Verhaltensempfehlungen entwickelt werden. Die Bevölkerung erhält damit konkrete Hilfestellungen, die sich direkt im Alltag anwenden lassen. Dadurch wird das Risiko, Opfer eines Zahlungsbetrugs zu werden, reduziert.
Der Verein plant ab 2027 eigene Präventionskampagnen. Worauf dürfen wir uns freuen?
NK: Zunächst werden wir eine zentrale Informationsplattform aufbauen. Anschliessend werden wir die Bevölkerung mit nationalen Sensibilisierungskampagnen über verschiedene Kanäle erreichen, beispielsweise mit Plakaten im öffentlichen Verkehr oder auch über die verschiedenen Social-Media-Kanäle. Entscheidend ist dabei nicht die Anzahl Aktivitäten, sondern dass die Botschaften dort ankommen, wo Betrugsrisiken tatsächlich entstehen.
Wie sieht für Sie in drei Jahren der Idealfall aus? Woran erkennen Sie, dass Pay Attent!on erfolgreich ist?
NK: Wir sind erfolgreich, wenn die Betrugszahlen sinken. Ein wichtiger Zwischenschritt ist, dass Pay Attent!on als vertrauenswürdige Präventionsmarke bekannt wird.
PS: Wir sind dann erfolgreich, wenn die Menschen in der Schweiz wissen, wofür Pay Attent!on steht, und das Label mit Sicherheit und Prävention im digitalen Zahlungsverkehr verbinden. Entscheidend ist aber nicht nur die Bekanntheit, sondern die tatsächliche Verhaltensänderung. Wenn Menschen Betrugsversuche früher erkennen und im entscheidenden Moment richtig handeln, haben wir unser Ziel erreicht. Ob uns das gelingt, werden wir mit entsprechenden Evaluationen und Befragungen messen können.